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Weihnachtsmarkthass

Weihnachtsmarkthass
Fragt man Menschen nach ihrem perfekten Weihnachten, erzählen sie von Frieden, Familie, Schnee und leckerem Essen, aber für viele Menschen bedeutet Weihnachten immer noch nicht friedliches Beisammensein, sondern Stress und Geschenkewahn. Woran liegt das?

Eigentlich war Weihnachten lange auf einem hervorragendem Weg. Nachdem gewiefte Missionare das Konzept "Weihnachten" für ein paar Heiden entworfen und als erfolgreichen Ersatz für das germanische Julfest (im Prinzip Weihnachten, nur ohne Jesus) etablierten, verbreiteten sich Weihnachten und mit ihm das Christentum über die gesamte Welt. Die von habgierigen Egoisten eingeführte Tradition des Schenkens machte Weihnachten noch beliebter, und als Coca Cola ein paar Jahrhunderte später den Weihnachtsmann erfand und damit sowohl den notorischen Gewalttäter Knecht Ruprecht, als auch das einbruchs-erfahrene Christkind ablöste, wurde Weihnachten langsam, aber sicher, zu dem Fest schlechthin.

Weihnachten wurde familienfreundlich, warm und herzlich; einer der größten Konzerne konnte dem Kapitalismus endlich das kuschelige Image geben, dass er nötig hatte, und trotzdem blieb die erhoffte Orgie der christlichen Nächstenliebe aus. Irgendwann zwischen der (großartigen) Innovation der Geschenke und der (nötigen) Abschaffung von Christkind und Knecht Ruprecht ist etwas schiefgegangen. Die Österreicher (wer sonst?) erfanden den Weihnachtsmarkt, der, mit großem Erfolg, bis heute den Weltfrieden und die oben genannten Orgien christlicher Nächstenliebe verhindert.

Weihnachtsmärkte sind kleine Ansammlungen von hässlichen Buden, in denen Glühwein (widerlich, aber ballert), Heiße Zitrone (kochendes Wasser mit Säure, was soll da schiefgehen?) Kinderpunsch (flüssiger Zucker, Kinderpunch wäre ein lustigerer Name) und totes Tier im Darm mit dem Namen Bratwurst verkauft wird. Auf Weihnachtsmärkten ist immer beschissenes Wetter, dass aus einem unablässigen, eiskalten Wind, einer Mischung aus Matsch und Schneeregen, sowie der muffigen Wärme von Heizpilzen besteht, was dafür sorgt, dass sich Erkältungs- und Grippeviren, aber auch sonstige Krankheitserreger auf Weihnachtsmärkten wohlfühlen wie sonst nur in Kindergärten und auf öffentlichen Toiletten. Die Menschen auf Weihnachtsmärkten lassen sich generell in drei Gruppen teilen: Kinder, die gemeinsam mit der Klasse 3b oder der Chor AG die immergleichen Weihnachtslieder singen; Eltern, die, eingehüllt in eine Wolke aus Glühweindämpfen vor der Bühne oder vor einer Bratwurstbude stehen und ab und an applaudieren, lassen es die Glühweintasse und die eigene Verlogenheit zu. (Pascal kann wirklich nicht singen). Die letzte Kategorie Mensch auf Weihnachtsmarkt sind die Schnaps- beziehungsweise Glühweinleichen, die sich ab ungefähr 17:00 langsam in Schneehaufen (soweit vorhanden, alternativ sind auch Matschpfützen möglich) verteilen, bei denen man sich eigentlich nicht sicher sein kann, ob sie tatsächlich an übermäßigem Alkoholkonsum oder nicht vielleicht doch an schlechtem Gesang, Unterkühlung oder Grippe gestorben sind. Alle Weihnachtsmarktbesucher lassen sich einer dieser Gruppen zuordnen. Alle Weihnachtsmarktbesucher (ja, auch die Kinder) sind genervt, unterkühlt, krank und betrunken. Das ist selbstverständlich furchtbar (wobei der Alkoholismus auf Weihnachtsmärkten zu verzeihen ist, anders lässt sich der Quatsch ja nicht aushalten).

Menschen gehen auf Weihnachtsmärkte, damit sie endlich mal wieder fühlen, wie geil Weihnachten ist, dabei verhindert nichts so effektiv ein angenehmes Weihnachtsfest, wie Weihnachtsmärkte selbst. Was entsteht, ist ein Teufelskreis, dessen Sog Menschen, die Weihnachtsstimmung möchten, Jahr für Jahr auf Weihnachtsmärkte zieht, nur um Weihnachten noch beschissener zu machen. Wer sich für sein Weihnachtsfest Frieden, Familie und leckeres Essen wünscht, sollte Weihnachtsmärkten lieber fern bleiben. Einen Adventssonntag gemeinsam auf dem Sofa zu verbringen, Räucherkerzen anzuzünden und kitschige Weihnachtsfilme anzuschauen ist doch sowieso viel schöner, als sich mit nervigen Idioten draußen den Arsch abzufrieren (wer es ohne Glühwein gar nicht aushält, kann diesen auch alleine in der Wohnung trinken, dort liegt dann die Alkoholleiche auch nicht im Weg herum).

(mdw)