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newspager Poetry Slam

newspager Poetry Slam

Vor etwas einem Monat, genauer am 8. November, haben wir im Theaterraum unserer Schule den zweiten "newspager Poetry-Slam" veranstaltet. Mit genialer Livemusikuntermalung made by Hermann Schreier, haben es die Teilnehmer geschafft die Bühne an sich zu reißen und Ihre hammer Texte vorzutragen. Am Ende entschied das gesamte Publikum über die ersten drei Plätze. Zu unserer Überraschung und zum Leid unseres Geldbeutels durften wir diesmal sogar drei dritte Plätze vergeben. Da es viel zu Schade wäre die Werke in denen so viel Emotion, Botschaft, Humor und vor allem Arbeit steckt einfach verhallen zu lassen, wollten wir im Rahmen unseres Adventskalenders zumindest Platz eins bis drei die Chance geben weiter verbreitet zu werden. Deshalb gibt es hinter dem heutigen Törlein die Texte der drei Drittplatziertinnen (wenn das so korrekt sein sollte… ):



Kathleen Fleischer:



Hi. Ich bin Kathleen, vielleicht habt ihr mich ja schon mal gesehen. Alt bin ich ganze 18 Jahre, habe grüne Augen, braune Haare. Bringe 65kg auf die Waage, während ich Kleidung in 38 und Schuhe in Größe 41 trage. Aktuell 1,80m groß, die guten Noten fielen mir schon immer in den Schoß, und auch jetzt sollte ich es wohl nicht wagen, mich über einen Schnitt von 12,6 Punkten zu beklagen.
Zahlen und Fakten, die klaren, die nackten, die zeigen sollen, wer ich bin, doch macht das Sinn, haut das hin? Ist nicht in mir noch so viel Anderes drin? Ohne Wissen dessen man doch gar nicht erfassen kann, wie ich wirklich bin, wirklich, ganz tief in mir drin.
Leider ist die Gesellschaft anders, urteilt anders, bewertet anders und geht auf die äußeren Dinge ein, auf die Fakten, die sofort erkennbaren, die kompakten.
Da bekommt man Dinge zu hören wie "Oh lass ich bloß nicht stören, du an deinem Mobiltelefon, kriegst du denn nie genug davon?" Oder "Gute Noten? Da ist es dir natürlich verboten, eine Ausbildung zu machen!" Und man will mir ein Studium anlachen, das mich zwar interessiert, doch ich bleibe reserviert, weil sich mein Herz bei dem Gedanken an ein Studium ziert. Doch nach meinem Herz fragt keiner, anscheinend ist es feiner, mich mit allen anderen 18jährigen über einen Kamm zu scheren. 
Ich will mich ja auch nicht ganz der Vorurteile verwehren, denn am Handy bin ich wirklich oft, doch bin ich denn die Einzige, die hofft, dass die inneren Werte mehr Bedeutung erlangen und die Leute anfangen, nicht mehr nach einem ersten abschätzenden Blick zu sagen "Nein, die Person mag ich nicht", sondern zu fragen, "Hey warum ziehst du denn immer so ein Gesicht? Hast du Probleme, minimale oder extreme, die man lösen kann, wenn man nicht mehr nur allein daran sitzt, sondern, von jemandem unterstützt, Lösungen sucht?" Dann wird sich vielleicht zeigen, dass der abweisende Blick vielleicht nur ein geschickt versteckter Hilferuf war. Das wird aber eben erst klar, wenn man den ersten Eindruck ersten Eindruck sein lässt und sich nicht auf ihn verlässt, sondern tiefer gräbt und sich fragt, was hat die Person schon erlebt, was hat sie geprägt, wohin führt ihr Weg? Und wenn dieser Weg noch nicht definiert ist, nichts strukturiert ist, nichts einbetoniert ist, dann ist das auch okay!

Die Gesellschaft packt uns in Kisten, schreibt uns auf Listen, steckt uns in Schubladen, ohne genauer zu fragen. Es gibt doch aber über jeden Menschen viel mehr zu sagen!
Wünsche, Hoffnungen, Ziele, Träume, Lieblingstiere, Lieblingsbäume; gleichwohl Zweifel und Traumata, Verluste hier und da, die Menschen prägen und formen, was sie entgegen allen Normen, wider jedes Gesetz, zu Individuen werden lässt. Denn so sind wir geschaffen, so war es gedacht, denn nicht umsonst hat Gott sich nicht hinreißen lassen, sondern jeden von uns einmalig gemacht. 
Also Schluss mit Schubladendenken, sich die Hälse verrenken, sticht jemand heraus aus der Masse. Sagt doch lieber: Oh, Klasse! Der lässt sich nicht einhüllen in der Gesellschaft Willen, dass man sich einfügen muss, jeder gleich lieben muss, sich jeder verbiegen muss, um akzeptiert zu werden hier auf Erden. 
Geht lieber auf Personen zu, die sagen, sie stehen dazu, herauszustechen, Regeln zu brechen, die Wahrheit auszusprechen. Viele Menschen haben viel mehr zu sagen als sie es wagen zu tun, wieso also nicht einfach mal fragen und tiefer graben?
Natürlich wird es auch zu Ablehnung kommen, doch lieber einen frommen, ehrlichen Versuch gestartet, als zu lange gewartet. 
Oder?



Rahel Riehl:



Die Frau, ein besonderes Wesen
Gekennzeichnet oder doch nur erlesen?
Im tiefsten Inneren verborgen,
Und gemeint sind nicht ihre Sorgen.
Nein, fast ein blutrünstiges Monster.

Monatlich es kommt heraus,
Und lebt in saus und braus,
Sich zu laben an den Qualen,
Wie eine Biene an den Waben.

Der tiefe Schmerz der sich dabei durch ihren Körper zieht,
Sie innerlich zerreißt,
Und sie, die Frau, natürlich genau weiß,
Weiß die Zeit der Qualen ist nah,
Ein Blutbad der Gefühle,
Und eine unfassbare Kühle.

Das Monster trägt empor,
All die tief versteckten Emotionen,
Weit vergraben waren sie davor,
Und kommen durch das Monster hervor.
Unerklärlich, lautstark, emotional.

Geplagt oder geehrt?
Berechtigt zur Emotionalität.
Die Frau, gekennzeichnet, frei, eigenständig, emanzipiert
Stolz darauf zu sein, was sie ist.





Eileen Hunger:


An manchen Tagen, sitze ich bis spät in die Nacht in meinem Zimmer. Ich schaue verschiedenste Videos auf YouTube oder Serien und Filme auf Netflix und Amazon Prime. Aber an manchen Tagen, wenn ich mal wieder sehr Nachdenklich bin, fange ich an Zitate aus Filmen, Büchern oder Songs zu lesen. Und wenn ich so dabei bin diese Zitate zu lesen, denke ich mir oft 'wie sind diese Menschen darauf gekommen, so etwas zu sagen oder schreiben?' Genau das habe ich mir auch bei einem Zitat von Kurt Cobain. Er hat mal gesagt:

"I'd rather be hated for the person I am, than loved for the person I am not." - "Ich würde lieber gehasst werden, für die Person die ich bin, als für die Person geliebt zu werden, die ich nicht bin."

Als ich dieses Zitat gelesen habe, sind mir viele Gedanken durch den Kopf geflogen. Gedanke wie: 'Warum verstellen sich Menschen eigentlich?' oder 'Warum möchte man eigentlich für viele Menschen perfekt wirken?' Und diese Fragen haben mich seit dem verfolgt. Und ich frage mich auch jetzt immer noch, warum möchte man perfekt wirken?

Ich denke, das liegt vor allem an der Angst allein zu sein. Menschen machen Fehler, das ist normal. Doch viele Leute die einen Fehler gemacht haben, werden dafür herunter gemacht, beleidigt und bekommen so ein schlechtes Gefühl von sich selbst. Doch manchmal, wenn man einen Fehler macht, können auch die besten Freundschaften, manchmal sogar Familien daran zerbrechen. Und dann sitzt man da, es geht einem schlecht, und man hat niemanden mit dem man reden kann. Man ist alleine.

Und genau solche Dinge will man nie selbst erleben. Ich denke, aus gründen wie diesen verstellen sich Menschen, sie wollen perfekt wirken, um anderen keine Chance zu lassen etwas gegen sie zu sagen. Und am Anfang geht das auch gut. Man vertuscht seine Fehler und keiner bekommt etwas davon mit. Doch nach einiger Zeit, auch wenn es etwas dauert, zerbricht man daran. Man hat nach außen hin das perfekte Leben, doch eigentlich besteht dieses nur aus Stress und Leid. Und ab einem bestimmten Punkt kann man mit dieser verstellten Persönlichkeit nicht mehr normal Leben. Und genau durch diesen Punkt brechen viele Menschen zusammen. Und dann hat man niemanden der einen versteht, weil die anderen Personen nicht den eigentlichen Menschen in einem kennen, sonder nur die Vorgespielte, perfekte Person. Und zum Schluss steht man wieder alleine da.

Doch auch durch Soziale Medien verstellen sich manche Menschen. Viele Leute die zum Beispiel Instagram besitzen werden immer nur die Perfekten Bilder posten, und sich auch oftmals verstellen, damit andere Menschen besser von einen denken. Aber auch das bringt nicht viel, denn dadurch wird man sehr verändert und manchmal zieht man sich dadurch selbst runter, denn im echten Leben ist man nun mal nicht diese Person.

Aber ich kenne auch Leute, die sich verstellen um ihre eigentlichen Gefühle nicht zeigen zu müssen. Diesen Leuten geht es vielleicht gerade schlecht, aber sie wollen nicht, dass ihre Mitmenschen dies bemerken. Deshalb verstellen sie sich und man bekommt in den meisten Fällen nichts von den eigentlichen Gefühlen dieser Person mit. Doch wenn man das tut geht es einem nicht besser, im Gegenteil. Wenn niemand bemerkt wie es einem eigentlich geht, kann auch niemand helfen und man fühlt sich immer schlechter. Es ist also besser, wenn man seine Gefühle anderen zeigt.

Deshalb bin ich der gleichen Meinung wie Kurt Cobain. Ich würde auch lieber für die Person gehasst werden die ich bin, als für die Person die ich nicht bin, geliebt zu werden. Denn nur dann, und auch nur dann erkennt man wer die Menschen sind, die immer für einen da sein werden. Und auch wenn man Fehler macht, man sollte sich nie von irgendwelchen menschen herunterziehen lassen, denn Fehler sind nun mal Menschlich und alle machen sie. Außerdem kann man, und sollte man, Fehler verzeihen können eben weil sie menschlich sind. Es gibt keinen perfekten Mensch und es wird nie einen geben. Doch das ist gut so, denn sonst währen wahrscheinlich alle Menschen gleich. Und sowas wäre einfach nicht gut, denn nur durch die verschiedensten Persönlichkeiten konnten wir Menschen uns so weiter entwickeln. Auf Instagram gibt es sogar einen Hashtag names #mehr Realität auf Insta Dieser beweist, dass nicht jeder so denkt wie die meisten Menschen heutzutage, denn auch diese Leute wollen sich nicht verstellen, und tuen dies auch nicht. Genau diese Leute vertuschen die Wahrheit nicht, sie zeigen sich einfach so wie sie sind und ihnen ist es egal was man über sie denkt.

Meinen Poetry Slam möchte ich an dieser Stelle mit einem weiteren Zitat von Kurt Cobain beenden "Wanting to be someone else is a waste of who you are" - "Jemand anderes sein zu wollen ist eine Verschwendung deiner Person"

Vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit!



Danke an der Stelle nochmals an alle Teilnehmer und Helfer!

Wir planen nächstes Frühjahr eine Fortsetzung. Termine und weiteres gibt es zur entsprechenden Zeit auf unsere Website oder unserem Instagram Account. Wir würden uns freuen wieder einige bekannte aber auch neue Gesichter anzutreffen. Bis dahin ersteinmal eine schöne Weihnachtszeit!